Nachhaltigkeit – einfach erklärt

Was du in diesem Artikel lernst:

  • Was unterscheidet Nachhaltigkeit von Umweltschutz?
  • Das grundlegende Prinzip der Nachhaltigkeit wird in einfachen Worten erklärt.
  • Verschiedene Zugänge zum Thema Nachhaltigkeit – hier sollte für jeden etwas dabei sein.

Zur Zeit ist Nachhaltigkeit in aller Munde, doch meist verstehen die Menschen unter dem Begriff nur Umweltschutz. Das wundert mich nicht, da im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit fast ausschließlich über Umweltprobleme gesprochen wird. Seltener wird der Begriff auch im Zusammenspiel mit z.B. nachhaltigem Wirtschaften genutzt. Doch Nachhaltigkeit ist noch mehr, denn es ist kein einfaches Prinzip oder etwas, das man einfach von seiner ToDo-Liste streichen kann. Was Nachhaltigkeit ist, erkunden wir in diesem Artikel anhand von mehreren Beispielen:

Die Grundlage der Nachhaltigkeit

Ich werde dich nicht mit der Geschichte des Nachhaltigkeitsbegriffs langweilen. Daher ohne Umschweife der Kern des Nachhaltigkeits-Gedankens:

»Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.«

(Brundtland u. a., 1987)

An dieser Formulierung sieht man sehr schön:

  • es geht nicht nur um die Umwelt
  • es geht nicht nur um die Wirtschaft
  • es geht nicht nur um unser Wohlbefinden

Es geht darum, die Chancen zukünftiger Generationen auf ein gutes Leben nicht zu gefährden. Dieser Blickwinkel ist extrem wichtig, wenn wir uns über Nachhaltigkeit unterhalten. Denn zu oft driften die Diskussionen zu schnell in einzelne Dimensionen der Nachhaltigkeit ab – Ökonomie, Ökologie oder Soziales (dazu kommen wir im nächsten Artikel). Was wir aber erreichen wollen, ist eine komplexe Gesamtbetrachtung. Und meine Meinung hierzu ist klar: Das darf auch gerne mal unangenehm sein und schwer auszuhalten.

Kurz und knapp gesagt:

Nachhaltiges Wirtschaften ist das Ausbalancieren von ökonomischen, sozialen und ökologischen Bedürfnissen und Notwendigkeiten, um die maximale Wertschöpfung in allen drei Dimensionen zu erzielen.

Nils Seipel (das bin ich)

Und Wertschöpfung meint hier nicht Gewinn oder Umsatz, sondern das kann alles sein: Mehr Zufriedenheit, mehr Sicherheit, mehr Umweltschutz, mehr Kapital etc. Wichtig ist, dass wir uns alle drei Dimensionen gleichzeitig anschauen müssen, denn nur dann können wir eine Balance finden. Der Mensch mit dem Hammer sieht immer nur Nägel: Der Ökonom sieht immer nur monetären Gewinn. Der Umweltschützer nur die Umwelt und der Gewerkschafter nur den Mensch. Aber mit dieser Denkweise kommen wir im 21. Jahrhundert nicht mehr weiter!

Heute braucht es eine integrierte Betrachtung aller Bereiche, da alles miteinander verwoben ist. Die Welt ist nunmal komplex und das müssen wir anerkennen. Und genau dieses Prinzip stellt „Nachhaltigkeit“ dar.

Achtung! Komplexität voraus!

Wie funktioniert Nachhaltigkeit jetzt? Es gibt leider kein Patentrezept. Werte und Normen sind im Wandel, genauso wie unser Wissen über die Umwelt und ökonomische Konzepte. Wie sagt man so schön: Sicher ist nur die Veränderung.

Bist du enttäuscht, dass du kein Kochrezept für Nachhaltigkeit finden wirst? Leider muss ich dir sagen: Je schneller du dich damit abfindest, desto besser. Aber ich werde dir auch zeigen wie du mit dem Thema trotzdem umgehen kann. Dazu weiter unten mehr. Ich sehe aber immer wieder Unternehmen und Privatpersonen, die sich wünschen mit Nachhaltigkeit endlich fertig zu sein. Aber wann ist man denn mit einem Thema „fertig“? Mit deiner Unternehmensstrategie bist du ja auch nicht einfach „fertig“, sondern du musst sie immer wieder anpassen und weiterentwickeln. Nachhaltigkeit weitet nur deinen Blick auf weitere Mega-Trends der aktuellen Zeit und bereichert so gewissermaßen dein strategisches Denken. Das muss nicht in großen Planungsdokumenten geschehen, sondern kann auch ganz intuitiv passieren.

Im folgenden Abschnitt zeige ich dir anhand eines Beispiels noch einige Eigenschaften von Nachhaltigkeit. Dabei wirst du sehen, dass Nachhaltigkeit immer aus dem gesellschaftlichen Kontext interpretiert werden muss. Nachhaltigkeit ist nämlich normativ und nicht absolut. Was das heißt, erfährst du jetzt.

Weitere Eigenschaften von Nachhaltigkeit

Stell dir ein Unternehmen vor, das die besten Autos der Welt produziert. Doch es gibt ein Problem: Die Arbeiterinnen und Arbeiter leiden unter der harten körperlichen Arbeit und dem Schichtbetrieb. Außerdem ist es heiß und stickig. Immer mehr Zeitungen berichten über die Proteste der Arbeitnehmer. Das Unternehmen beschließt daraufhin, etwas von seinem Gewinn in bessere Arbeitsbedingungen zu investieren und kauft Ventilatoren, Arbeitshilfsmittel und reduziert die Nachtschichten um 2 Stunden. Die Mitarbeiter sind zufrieden und bleiben dem Unternehmen in den nächsten Jahrzenten treu. Das Unternehmen hat sogar an den Jahresergebnissen feststellen können, dass gut gelaunte Mitarbeiter auch produktiver und akkurater produzieren.

Anders sieht es bei der Klimadebatte aus. Lange Zeit konnte das Unternehmen immer größere und schwerere Autos produzieren, ohne dass jemand daran Anstoß genommen hätte. Doch durch anhaltende Proteste und schlechte Schlagzeilen ist der Autobauer gezwungen auf Elektroautos umzusteigen. Die Ankündigung der ersten Modelle wird gefeiert, die Roadmap für das nächste Jahrzehnt als „Meilenstein des Klimaschutzes“ gefeiert.

Doch nach einigen Jahren schwingt der gesellschaftliche Diskurs um. Immer noch steigen die CO2-Emissionen, die Lithium-Vorräte für die Batterie-Produktion sind mittlerweile hart umkämpft und der Großteil der Menschen hat verstanden: Wenn wir weiter mit 2 bis 3 Tonnen Metall pro Person auf geteerten Straßen unterwegs sind, werden wir das Klimaproblem nicht in den Griff bekommen. Die erneuerbaren Energien wachsen nicht schnell genug, um dem Energiehunger der Millionen Elektroautos genügend Futter zu liefern.

Aufgrund der anhaltenden Debatte rund um den Klimawandel entscheidet sich die Führungsspitze zu einem radikalen Wandel: Sie vollzieht die komplette Transformation zum Mobilitätsdienstleister. Mobilität brauchen wir alle. Und wenn diese effizient und klimafreundlich geregelt ist, kann niemand etwas dagegen haben. Also setzt das Unternehmen auf KI-gestützte Systeme zum Carsharing und digital organisierte autonome Mitfahrzentralen. Das Auto ist nicht mehr das einzige Fortbewegungsmittel, sondern ergänzt einen breiten Mobilitätsmix. Natürlich hat unser Autobauer auch hier einige Ideen: Eine eigene App integriert den Ticket-Kauf für alle Systeme und bietet dem Nutzer einen maximalen Komfort.

Diese Geschichte ist nicht erfunden. Die großen Autobauer verändern im Hintergrund langsam aber stetig ihre Strategie: Hin zu einem Mobilitätsdienstleister und weg von dem Verkauf von Einzelautos. So sind auch die Carsharing-Dienste von Daimler und BMW (ShareNow) sowie das Ride-Pooling von VW (Moia) eher zu erklären. Natürlich haben wir es hier mit keinen lupenreinen Vorzeige-Unternehmen zu tun, aber die Konzepte zeigen, wie die Autobauer versuchen, sich für die Zukunft aufzustellen.

Zwischenfazit

Du erkennst hier mehrere Prinzipien:

  • Themen entwickeln sich über die Zeit und über gesellschaftliche Prozesse hinweg. Nachhaltigkeit lässt sich immer nur im Kontext der aktuellen Wert-Diskussionen betrachten. Sie wird bestimmt über Werte und Normen – sie ist normativ.
  • Nachhaltigkeit ist kein linearer Prozess, sondern eine stetige Verbesserung/Anpassung. Es ist eher eine Art Leitstern als ein fixes Ziel. „Das nachhaltige Unternehmen“ gibt es nicht, sondern nur mehr oder weniger nachhaltige Unternehmen.

Aber was machst du denn jetzt, wenn Nachhaltigkeit gar nicht einfach greifbar ist und es nur ein Prinzip ist? Dann kann man das Thema doch gleich sein lassen! Keine Angst, diese Gedanken haben sich schon viele Leute vor dir gemacht und haben viele sinnvolle und leicht anzuwendende Instrumente erarbeitet, mit denen Nachhaltigkeit greif- und umsetzbar wird. Und genau diese Instrumente stelle ich dir in der Kategorie „Nachhaltigkeit im Unternehmen“ vor.

Aber jetzt möchte ich noch einmal ein paar Sichtweisen auf Nachhaltigkeit aufwerfen, die mich in meiner Beschäftigung mit verschiedenen Themen immer irgendwo abgeholt haben. In dieser Sammlung sollte für jeden etwas dabei sein.

Nachhaltigkeit ist …

Risikomanagement: Wenn du dir kommende Risiken anschaust, dann wirst du immer wieder mit Themen der Nachhaltigkeitsdebatte konfrontiert: Digitalisierung, Wandel am Arbeitsmarkt, Work-Life-Balance, Generation Y, Ressourcenverknappung, Klimawandel, CO2-Steuer, höhere Eigenkapitaldecke für Banken et cetera. Nachhaltigkeit holt diese Themen nur schneller ins jetzt. Schlaue Unternehmen beschäftigen sich schon vor gewaltigen Einschlägen mit den Mega-Trends der Zukunft und lassen sich nicht von diesen überraschen.

Gerechtigkeit: Bei Nachhaltigkeit geht es viel um Gerechtigkeit – und zwar zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen, wenn es um Verschmutzungsrechte der Atmosphäre geht oder um Gerechtigkeit, wenn über Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen diskutiert wird. Und vor allem, wenn über gleiche Chancen für die aktuelle wie die kommenden Generationen von Menschen debattiert wird. Wir alle können nur in Kontexten existieren und sind auf die Zivilisation angewiesen. Studien zeigen immer wieder, dass gerechtere Gesellschaften in fast allen Punkten besser funktionieren als ungerechte. [Quelle] Das sollte zu denken geben.

Gesunder Menschenverstand: Für mich ist Nachhaltigkeit einfach ganz oft gesunder Menschenverstand. Ich kann doch nicht mein Geschäftsmodell auf die Ausbeutung von Ressourcen setzen, seien das meine Mitarbeiter/-innen oder eine seltene Erde. Ich schieße mir doch von Anfang an ins Bein. „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ – einfach oder?

Ein Mega-Trend: Nachhaltigkeit ist keine Mode. Nachhaltigkeit wird als ein Mega-Trend gehandelt – genauso wie die Digitalisierung. Auch wenn sich viele Menschen wünschen würden, dass das Thema wieder verschwindet, es wird nicht passieren. Selbst Blackrock, der größte Finanzverwalter der Welt sieht das so. [Quelle]

Manchmal einfach unangenehm: Und manchmal ist Nachhaltigkeit leider extrem unangenehm und schwer auszuhalten. Denn es geht in Nachhaltigkeitsprozessen manchmal an unsere eigenen Überzeugungen, eventuell an unseren eigenen Wohlstand, an unsere Zeit oder an unseren Gewinn. Aber Nachhaltigkeit ist aus meiner Sicht immer der richtige Weg. Denn ohne eine Balance zwischen den drei Dimensionen, wird jedes Geschäftsmodell über kurz oder lang scheitern müssen.

Es gibt noch viel zu lernen!

Und genau dafür ist diese Webseite da. Mach dich jetzt an den zweiten Teil dieser Nachhaltigkeits-Grundlagen: Das 3×1 der Nachhaltigkeit!

– Ende –

Ich hoffe dir hat der Artikel gefallen! Wenn du es so weit geschafft hast, hast du hoffentlich ein paar Impulse mitgenommen. Wie immer gilt: Ich freue mich über positives sowie kritisches Feedback zu meinen Beiträgen. Schreib mir gerne direkt jetzt eine Mail an nils [at] nachhaltigkeit-verstehen.de